Vergessene Filmemacher der 1970er, die das moderne Kino mitgeprägt haben

It’s been called “harrowing” (The Guardian), “seriously disturbing” (Blu-ray.com) and “part documentary, part primal scream” (Screen Slate). More than half a century later, it remains all that and mor - Digital concept art for illustrative purpose, tags: das - Monok

Die 1970er haben das Kino für immer verändert. Während große Namen wie Francis Ford Coppola und Steven Spielberg Blockbuster schufen, lotete eine kleinere Gruppe von Regisseur:innen leise, aber wirkungsvoll die Grenzen des Mediums aus. Viele arbeiteten außerhalb Hollywoods und ignorierten gängige Regeln – ihr Einfluss ist bis heute spürbar.

Joël Séria und sein Kampf gegen die Zensur

Der französische Regisseur Joël Séria löste bereits mit seinem Debüt Don’t Deliver Us From Evil (1971) einen Skandal aus: Die Geschichte zweier rebellischer Internatsschülerinnen wurde in Frankreich und den USA wegen ihres düsteren Tons und der Religionskritik verboten.

Statt klein beizugeben, legte Séria mit Marie, the Doll nach – einem seltsamen, berührenden Film über Identität und Geschlecht. Trotz anhaltender Kontroversen war sein Werk seiner Zeit voraus.

Claire Pitt und ihre handgemachten Visionen

Die US-Animatorin Claire Pitt schlug einen völlig anderen Weg ein. Mit Papiercollagen und surrealen Bildern wirkten ihre Kurzfilme Crocus und Asparagus wie bewegte Kunstwerke. Ohne klassische Erzählstruktur loteten sie Themen wie Weiblichkeit und Freiheit aus. Pitts leise Kraft und der unverwechselbare Look beeinflussten vor allem europäische Künstler:innen und Animationsfilmschaffende nachhaltig.

Alison Arden und die Last der Stille

Die britische Filmemacherin Alison Arden erzählte mit Bildern statt Dialogen. Symptoms ist ein stiller, verstörender Film, der Spannung durch Schatten, Schweigen und Nahaufnahmen statt expliziter Gewalt aufbaut. Zur Veröffentlichung kaum beachtet, gilt er heute als Meisterstück atmosphärischer Dichte.

Ostliche Stimmen: Schepitko und Klimow

Im sowjetischen Kino arbeiteten Larisa Schepitko und Elem Klimow unter strenger staatlicher Kontrolle. Schepitkos Wings und The Ascent zeigen die seelischen Narben des Krieges ohne große Reden. Klimows Come and See lässt den Krieg durch die Augen eines Kindes erlebbar werden – mit langen Einstellungen und realen Schauplätzen. Diese Werke prägten das europäische Kino nachhaltig.

Auch wenn viele dieser Regisseur:innen heute kaum bekannt sind, haben ihr Mut, ihre Kreativität und ihr Fokus auf unverstellte Menschlichkeit die Erzählweise des Films grundlegend verändert.